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Prompts & SkillsClaude · ChatGPT · Gemini01.11.2026ca. 6 Min.

So hört deine KI auf, dir ständig recht zu geben: 5 Methoden für ehrliches Feedback

ChatGPT und Claude stimmen dir manchmal zu schnell zu. Das kann problematisch werden, wenn du wichtige Entscheidungen treffen möchtest. Mit diesen fünf Methoden bringst du deine KI dazu, deine Ideen kritisch zu hinterfragen, vom einfachen Prompt bis zum virtuellen Beraterteam.

Scarlett Kim am Laptop

Ein Forschungsteam der Stanford University hat elf führende KI-Modelle untersucht, darunter ChatGPT, Claude und Gemini.

Das Ergebnis: In den untersuchten Beratungssituationen bestätigten die KI-Modelle die Position der Nutzer 49 % häufiger als menschliche Vergleichsantworten. Selbst dann, wenn die geschilderten Handlungen problematisch waren.

Menschen, die mit einer besonders zustimmenden KI sprachen, waren anschließend stärker davon überzeugt, richtig gehandelt zu haben. Gleichzeitig empfanden sie diese Antworten als besonders vertrauenswürdig.

Die Studie wurde 2026 in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Wenn du KI für wichtige Entscheidungen einsetzt, solltest du deshalb nicht nur nach Bestätigung suchen, sondern deine Ideen bewusst hinterfragen lassen.

Hier sind fünf Möglichkeiten, wie das funktioniert.

1. Stelle deine Fragen neutral

Funktioniert mit ChatGPT, Claude, Gemini und anderen KI-Modellen.

Manchmal beeinflusst du die Antwort deiner KI bereits mit deiner Frage. Zum Beispiel:

„Wenn ich jeden Tag auf Instagram poste, werde ich doch bestimmt schneller wachsen, oder?“

Damit deutest du bereits an, welche Antwort du erwartest. Neutraler wäre:

„Hat tägliches Posten einen größeren Einfluss auf das Wachstum eines Instagram-Accounts als eine geringere Veröffentlichungsfrequenz?“

Mit dem folgenden Prompt lässt du deine KI solche Fragen automatisch neutral formulieren und anschließend kritisch beantworten.

Prompt zum Kopieren: Neutrale Fragen stellen

Prompt anzeigen: Neutraler FragemodusPrompt ausblenden
NEUTRALER FRAGEMODUS

Meine Frage:
[DEINE FRAGE EINFÜGEN]

Bevor du antwortest, gehe bitte folgendermaßen vor:

1. Formuliere meine Frage neutral um. Entferne Formulierungen, die bereits eine bestimmte Antwort nahelegen, beispielsweise „oder?“, „Findest du nicht auch?“ oder eine Entscheidung, die ich bereits getroffen zu haben scheine. Zeige mir die neutrale Frage in einem Satz.
2. Beantworte die neutrale Frage. Gehe dabei so vor, als wüsstest du nicht, welche Meinung ich persönlich vertrete.
3. Nenne die stärksten Argumente dafür und dagegen. Prüfe beide Seiten mit derselben Sorgfalt und begründe deine Einschätzungen nachvollziehbar.
4. Gib mir eine klare Empfehlung in ein bis zwei Sätzen. Wenn die Argumente eindeutig für eine Möglichkeit sprechen, sage das. Wenn es von bestimmten Bedingungen abhängt, benenne diese.
5. Hinterfrage meine ursprünglichen Annahmen. Falls meine Frage eine falsche oder unbelegte Voraussetzung enthält, weise mich darauf hin.
6. Bewerte deine Sicherheit. Gib an, ob du dir hoch, mittel oder niedrig sicher bist, und erkläre, welche Informationen deine Einschätzung verändern könnten.

Verzichte auf einleitendes Lob und unnötige Zustimmung.
Ich möchte eine ehrliche Einschätzung, keine Bestätigung meiner Meinung.

2. Lege feste Regeln gegen übermäßige Zustimmung in deinem KI-Projekt fest

Funktioniert mit Claude Projects und ChatGPT Projects.

Wenn du regelmäßig mit KI arbeitest, musst du nicht bei jeder Unterhaltung erneut um ehrliches Feedback bitten. Du kannst entsprechende Regeln direkt in deinen Projektanweisungen hinterlegen.

Dadurch soll deine KI deine Ideen grundsätzlich kritisch bewerten, ohne ihnen automatisch zuzustimmen oder künstlich zu widersprechen.

Prompt zum Kopieren: Regeln für ehrliches Feedback

Prompt anzeigen: Regeln für kritisches FeedbackPrompt ausblenden
REGELN FÜR KRITISCHES FEEDBACK

Befolge diese Regeln in jeder Unterhaltung innerhalb dieses Projekts.

1. Bewerte meine Ideen unabhängig von meiner Meinung.
- Beurteile meine Vorschläge so, als hätte sie dir eine unbekannte Person vorgelegt. Meine Begeisterung ist kein Beweis dafür, dass eine Idee gut ist.
- Wenn meine Frage bereits eine bestimmte Antwort nahelegt, formuliere sie neutral um und sage mir, dass du das getan hast.
- Beginne mit deiner tatsächlichen Einschätzung. Verzichte auf Einleitungen wie „Großartige Idee“ oder „Spannende Frage“.
- Wenn eine Idee Schwächen hat, benenne zuerst das größte Problem und schlage anschließend eine Verbesserung vor.
- Wenn eine Idee gut ist, sage das klar und begründe deine Einschätzung. Erfinde keine Kritikpunkte, nur um kritisch zu wirken.

2. Bleibe bei begründeten Einschätzungen.
- Ändere deine Meinung nicht einfach deshalb, weil ich widerspreche, mich wiederhole oder unzufrieden bin.
- Überdenke deine Einschätzung, wenn ich neue Informationen oder überzeugendere Argumente liefere.
- Wenn du deine Bewertung änderst, erkläre, welche Information dafür ausschlaggebend war.
- Wenn du weiterhin anderer Meinung bist, begründe deinen Standpunkt respektvoll und erkläre, welche Belege deine Einschätzung verändern würden.
- Wenn du einen Fehler gemacht hast, benenne und korrigiere ihn.

3. Sei ehrlich darüber, was du weißt.
- Unterscheide klar zwischen Fakten, Annahmen und Vermutungen.
- Wenn du etwas nicht weißt, sage das ausdrücklich.
- Berücksichtige, dass du möglicherweise nur meine Perspektive kennst, und weise bei Bedarf darauf hin.
- Gib bei wichtigen Entscheidungen an, wie sicher du dir bist: hoch, mittel oder niedrig.

Abschließende Prüfung:
Bevor du mir bei einer wichtigen Frage zustimmst, überprüfe:
„Würde ich dieselbe Einschätzung abgeben, wenn diese Person die gegenteilige Meinung vertreten würde?“
Falls nicht, überprüfe deine Argumentation erneut.

So richtest du es ein

In Claude: Öffne ein Projekt, gehe zu „Set project instructions“, füge den Prompt ein und speichere die Anweisungen.

In ChatGPT: Öffne ein Projekt und füge den Prompt in die Projektanweisungen ein.

Damit gelten die Regeln für zukünftige Unterhaltungen innerhalb dieses Projekts.

3. Claude Skill: Devil’s Advocate

Dein persönlicher Gegenredner.

Der Skill Devil’s Advocate von OneWave AI wurde entwickelt, um deine Entscheidungen bewusst aus einer kritischen Perspektive zu betrachten.

Er sucht nach den stärksten Gegenargumenten, priorisiert die drei wichtigsten Risiken und führt ein sogenanntes Pre-Mortem durch. Dabei betrachtet Claude deine Entscheidung aus der Zukunft:

„Angenommen, zwölf Monate sind vergangen und dein Vorhaben ist gescheitert. Was war der wahrscheinlichste Grund?“

Anschließend zeigt dir der Skill auch, welche Bestandteile deiner Idee sinnvoll sind und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssten, damit dein Plan funktionieren kann.

Du kannst selbst bestimmen, wie kritisch Claude sein soll:

  • Sanft: vorsichtige Kritik und ein bis zwei wichtige Einwände.
  • Normal: direkte Bewertung mit den stärksten Gegenargumenten.
  • Hart: Konzentration auf die wichtigsten Schwächen, ohne unnötige Beschönigung.

So verwendest du den Skill

Nach der Installation kannst du beispielsweise schreiben:

„Spiel Advocatus Diaboli und hinterfrage meine Geschäftsidee.“

Oder:

„Was übersehe ich bei diesem Plan? Sei kritisch, Stufe hart.“

Skill herunterladen: Devil’s Advocate (deutsch)

Von OneWave AI, von mir ins Deutsche übersetzt.

↓ Skill herunterladen (.zip)

Original auf GitHub (englisch)

Kostenlos, MIT-Lizenz. Der Original-Vermerk liegt im ZIP.

4. Claude Skill: Critical Thinking

Überprüfe deine Argumente, statt nur das Ergebnis zu bewerten.

Der Critical Thinking Skill von Hieu Luu untersucht die Argumentation in deinen Dokumenten, Strategien und Entwürfen.

Du kannst beispielsweise einen Businessplan oder ein Marketingkonzept hochladen und Claude bitten, die Aussagen kritisch zu prüfen. Dabei kennzeichnet der Skill unterschiedliche Probleme (in der deutschen Fassung, in Klammern das Original):

  • [LÜCKE] (GAP): Für eine wichtige Aussage fehlen Belege.
  • [SPRUNG] (LEAP): Die vorhandenen Informationen rechtfertigen die Schlussfolgerung nicht.
  • [ANNAHME] (ASSUME): Die Argumentation beruht auf einer ungeprüften Annahme.
  • [WIDERSPRUCH] (CONFLICT): Zwei Aussagen widersprechen sich.
  • [FEHLSCHLUSS] (FALLACY): Die Argumentation enthält einen logischen Denkfehler.
  • [MEINUNG] (OPINION): Claude bewertet eine Aussage anders, obwohl die Begründung nachvollziehbar ist.
  • [NICHT-PRÜFBAR] (CANNOT-ASSESS): Für eine verlässliche Bewertung fehlen Informationen.

Damit du die Kritik nachvollziehen kannst, nennt Claude jeweils die konkrete Textstelle.

Das Besondere an diesem Skill

Bevor Claude seine Analyse erstellt, fragt er dich zunächst nach deiner eigenen Einschätzung. Zum Beispiel:

„Was ist die schwächste Stelle in diesem Dokument?“

Anschließend kannst du vergleichen, welche Probleme du selbst erkannt hast und welche der Skill zusätzlich gefunden hat. Wenn du diesen Schritt überspringen möchtest, schreib einfach „überspringen“.

Skill herunterladen: Critical Thinking (deutsch)

Von Hieu Luu, von mir ins Deutsche übersetzt.

↓ Skill herunterladen (.zip)

Original auf GitHub (englisch)

Kostenlos, MIT-Lizenz. Der Original-Vermerk liegt im ZIP.

5. Claude Skill: KI-Beirat (LLM Council)

Lass fünf virtuelle Berater deine Entscheidung prüfen.

Die fünfte Methode geht noch einen Schritt weiter. Der LLM Council orientiert sich an einem Konzept des KI-Forschers Andrej Karpathy. Dabei wird eine Entscheidung aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.

In meiner vereinfachten Claude-Version, dem KI-Beirat, übernehmen fünf virtuelle Berater verschiedene Aufgaben:

  1. Der Kritiker: untersucht, was schiefgehen könnte und welche Risiken du übersiehst.
  2. Der Grundlagen-Denker: hinterfragt die Annahmen, auf denen deine Entscheidung beruht.
  3. Der Chancen-Denker: sucht nach übersehenen Möglichkeiten und besseren Alternativen.
  4. Der Außenstehende: betrachtet deinen Plan ohne Branchenwissen und stellt die Fragen, die dir selbst vielleicht nicht mehr auffallen.
  5. Der Umsetzer: übersetzt die Entscheidung in konkrete nächste Schritte.

Anschließend prüfen die Beraterrollen gegenseitig ihre Argumente, zunächst ohne die Rollennamen. Zum Schluss erstellt ein Vorsitzender eine abschließende Empfehlung mit den wichtigsten Risiken und konkreten Handlungsschritten.

Wichtig: Bei dieser Variante übernimmt ein einzelnes Claude-Modell fünf Beraterrollen. Das ist nicht dasselbe wie fünf unabhängig arbeitende KI-Modelle.

So verwendest du den KI-Beirat

Du kannst den vollständigen Prompt direkt in Claude einfügen oder den vorbereiteten Skill installieren. Der Ablauf beginnt mit Fragen zu deiner Entscheidung, deinen Zielen und deinen Rahmenbedingungen. Anschließend erhältst du die fünf Einschätzungen und eine abschließende Empfehlung.

Skill herunterladen: KI-Beirat

Mein LLM-Council-Prompt als fertiger Skill, Idee von Andrej Karpathy.

↓ Skill herunterladen (.zip)

Du möchtest den Ablauf erst einmal ohne Installation testen? Hier findest du den vollständigen KI-Beirat-Prompt zum Kopieren.

Kostenlos für deine eigene Arbeit.

So installierst du die Skills in Claude

Die letzten drei Methoden kannst du als fertige Skills in Claude hinzufügen. Das funktioniert grundsätzlich auch mit dem kostenlosen Claude-Tarif, sofern die benötigten Funktionen verfügbar sind.

  1. Öffne in Claude die Einstellungen unter Settings → Capabilities und aktiviere „Code execution and file creation“ beziehungsweise die entsprechende Funktion zur Dateierstellung.
  2. Gehe zu Customize → Skills. Je nach Oberfläche kann die Skill-Verwaltung auch im Plugin-Bereich liegen.
  3. Klicke auf das Pluszeichen und wähle die Möglichkeit, einen Skill hochzuladen.
  4. Wähle die heruntergeladene ZIP-Datei aus. Du musst sie normalerweise nicht vorher entpacken.
  5. Starte eine Unterhaltung und fordere Claude auf, den gewünschten Skill zu verwenden.

Wenn du Claude Code verwendest, kannst du den entpackten Skill stattdessen in deinem lokalen Verzeichnis ~/.claude/skills/ ablegen.

⚠️ Prüfe vor der Installation die Herkunft und den Inhalt heruntergeladener Skills.

Fazit: Lass deine KI deine Ideen kritisch hinterfragen

Du musst nicht direkt einen ganzen virtuellen Beirat einsetzen, um bessere Antworten von deiner KI zu bekommen.

Bereits eine neutral formulierte Frage kann helfen, voreilige Zustimmung zu vermeiden. Wenn du regelmäßig mit KI arbeitest, kannst du zusätzlich feste Regeln in deinen Projektanweisungen hinterlegen.

Und wenn du wichtige Ideen oder Entscheidungen überprüfen möchtest, bieten die drei Claude Skills weitere Möglichkeiten:

  • Devil’s Advocate sucht nach den wichtigsten Gegenargumenten.
  • Critical Thinking überprüft die Qualität deiner Argumentation.
  • KI-Beirat betrachtet deine Entscheidung aus fünf verschiedenen Perspektiven.

Entscheidend ist dabei nicht, dass deine KI dir möglichst häufig widerspricht. Sie sollte zustimmen, wenn deine Argumente überzeugen, und kritisch nachfragen, wenn wichtige Informationen fehlen.

So bekommst du nicht einfach deine eigene Meinung zurück, sondern eine fundiertere Grundlage für deine Entscheidungen.

Quellen und Credits: Cheng et al., Science 2026 · Devil’s Advocate von OneWave AI · Critical Thinking von Hieu T. Luu · LLM Council von Andrej Karpathy

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