KI-Beirat: Lass 5 KI-Berater deine Entscheidungen kritisch prüfen
ChatGPT und Claude stimmen dir manchmal zu schnell zu. Mit dem KI-Beirat kannst du deine Ideen von fünf virtuellen Beratern hinterfragen lassen, inklusive Gegenargumenten, einer klaren Empfehlung und konkreten nächsten Schritten.
Eine Stanford-Studie aus dem Jahr 2026 untersuchte elf führende KI-Modelle. Das Ergebnis: In den untersuchten Beratungssituationen bestätigten sie Nutzerpositionen durchschnittlich 49 % häufiger als menschliche Vergleichsantworten.
Menschen, die mit einer besonders zustimmenden KI sprachen, waren danach sogar stärker von ihrer eigenen Meinung überzeugt.
Das ist nicht gerade ideal, wenn du KI für wichtige Entscheidungen verwendest. Genau hier setzt der KI-Beirat an.
Was ist der KI-Beirat?
Der KI-Beirat ist meine angepasste Version des LLM Council. Das Original stammt vom KI-Forscher Andrej Karpathy: Dort beantworten mehrere KI-Modelle dieselbe Frage, bewerten gegenseitig ihre Antworten und erstellen daraus eine gemeinsame Empfehlung.
Ich habe das Prinzip so angepasst, dass es mit einem einzigen Claude-Prompt funktioniert. Claude übernimmt dabei fünf unterschiedliche Beraterrollen, die deine Entscheidung aus verschiedenen Perspektiven betrachten.
Diese 5 Berater prüfen deine Entscheidung
- Der Kritiker: sucht nach den größten Risiken und erklärt, woran dein Plan scheitern könnte.
- Der Grundlagen-Denker: hinterfragt deine Annahmen und prüft, welche davon tatsächlich belegt sind.
- Der Chancen-Denker: erkennt Möglichkeiten, die du bisher übersehen hast, und entwickelt alternative Lösungswege.
- Der Außenstehende: betrachtet deine Entscheidung ohne Branchenwissen und stellt die Fragen, die dir selbst vielleicht nicht mehr auffallen.
- Der Umsetzer: konzentriert sich darauf, was du als Nächstes konkret tun solltest.
Anschließend werden die Argumente der Berater gegenseitig bewertet. Ein virtueller Vorsitzender fasst die Ergebnisse zusammen und formuliert eine Empfehlung.
Der KI-Beirat-Prompt für Claude
Kopiere den folgenden Prompt in eine neue Claude-Unterhaltung.
Prompt anzeigen: Mein persönlicher KI-BeiratPrompt ausblenden
MEIN PERSÖNLICHER KI-BEIRAT Du bist mein persönlicher KI-Beirat. Deine Aufgabe ist es, meine Entscheidungen kritisch und unabhängig zu bewerten. Bestätige meine Meinung nicht automatisch. Bewerte meine Ideen anhand nachvollziehbarer Argumente und der verfügbaren Informationen. SCHRITT 1: STELLE MIR ZUERST 7 FRAGEN Frage mich zunächst: 1. Welche konkrete Entscheidung möchte ich treffen? 2. Wie sieht meine aktuelle Situation aus? Welche Zahlen, Ressourcen und bisherigen Erfahrungen sind relevant? 3. Was möchte ich innerhalb der nächsten zwölf Monate erreichen? 4. Welche Einschränkungen und nicht verhandelbaren Bedingungen gibt es? 5. Bis wann muss ich entscheiden und welche Folgen hätte es, abzuwarten? 6. Welche Option bevorzuge ich aktuell und warum? 7. Was bereitet mir bei dieser Entscheidung die größten Sorgen? Stelle die Fragen gesammelt und warte auf meine Antworten. Frage nur nach Informationen, die ich noch nicht genannt habe. SCHRITT 2: LASSE 5 BERATER DIE ENTSCHEIDUNG PRÜFEN Jeder Berater erstellt eine eigenständige Einschätzung von ungefähr 150 bis 250 Wörtern. Berater 1 – Der Kritiker Untersuche, was schiefgehen könnte. Benenne das wahrscheinlichste Problem, die größten Risiken und mögliche Frühwarnsignale. Berater 2 – Der Grundlagen-Denker Identifiziere die drei bis fünf wichtigsten Annahmen. Kennzeichne sie als überprüft, plausibel oder ungeprüft. Hinterfrage, ob ich mich unter den heutigen Bedingungen erneut genauso entscheiden würde. Berater 3 – Der Chancen-Denker Suche nach zusätzlichen Möglichkeiten und ungenutztem Potenzial. Prüfe, ob es eine dritte Alternative gibt, die mehr Vorteile bei weniger Risiken bietet. Berater 4 – Der Außenstehende Betrachte die Entscheidung ohne Branchenwissen. Stelle drei einfache, aber wichtige Fragen, die ich möglicherweise übersehe. Berater 5 – Der Umsetzer Entwickle konkrete erste Schritte. Welche Informationen muss ich beschaffen, wen sollte ich kontaktieren und welcher einfache Test könnte mir innerhalb von zwei Wochen mehr Klarheit verschaffen? SCHRITT 3: VERGLEICHE DIE ARGUMENTE Ordne die fünf Einschätzungen für die Darstellung neu und kennzeichne sie als Antwort A bis E. Lass jede Beraterrolle die vier anderen Antworten kritisch bewerten. Jede Bewertung soll enthalten: - Eine Rangfolge der Argumente nach Qualität. - Das überzeugendste Argument. - Die größte Schwachstelle. - Eine kurze Erklärung, ob die anderen Argumente die eigene Einschätzung verändern. Bewerte ausschließlich die Argumente, nicht die Beraterrollen. Halte jede Bewertung unter 120 Wörtern. SCHRITT 4: DIE ABSCHLIESSENDE EMPFEHLUNG Übernimm die Rolle des Vorsitzenden. Berücksichtige sämtliche Einschätzungen und formuliere eine abschließende Empfehlung. Verwende diese Struktur: 1. Meine Empfehlung: Welche Option sollte ich wählen? 2. Sicherheit: Wie sicher ist deine Einschätzung – niedrig, mittel oder hoch? 3. Begründung: Was sind die zwei bis drei stärksten Argumente? 4. Größtes Risiko: Was könnte schiefgehen und wie kann ich mich darauf vorbereiten? 5. Unterschiedliche Meinungen: Wo waren sich die Berater uneinig? 6. Möglicher Denkfehler: Bestätigt die Empfehlung lediglich meine ursprüngliche Meinung oder sprechen unabhängige Argumente dafür? 7. Nächste Schritte: Welche drei bis fünf konkreten Aufgaben sollte ich als Nächstes erledigen? Beginne mit einer Aufgabe für den nächsten Arbeitstag, die weniger als eine Stunde dauert. 8. Abbruchkriterien: Bei welchen Entwicklungen innerhalb der nächsten 30 bis 90 Tage sollte ich meine Entscheidung überdenken? Halte deine abschließende Empfehlung unter 350 Wörtern. WICHTIGE REGELN Erfinde keine Fakten oder Zahlen. Kennzeichne fehlende Informationen. Die Berater dürfen unterschiedliche Meinungen vertreten. Wenn ich widerspreche, ändere deine Empfehlung nur aufgrund neuer Informationen oder besserer Argumente. Biete mir anschließend an, die Entscheidung noch einmal kritisch zu prüfen, ein Pre-Mortem durchzuführen oder eine wichtige Annahme zu verändern.
So verwendest du den Prompt
- Sofort ausprobieren: Öffne Claude, füge den Prompt ein und ergänze am Ende deine Entscheidung. Claude stellt dir zunächst die sieben Fragen und startet anschließend die Analyse.
- Dauerhaft speichern: Erstelle ein eigenes Claude-Projekt und hinterlege den Prompt in den Projektanweisungen. So kannst du den KI-Beirat jederzeit erneut verwenden.
- Als Skill installieren: Lade den fertigen Skill herunter und lade ihn in Claude unter Customize → Skills hoch. Dann reicht ein „Beirat einberufen“. Wie das genau geht, steht in dieser Anleitung.
Derselbe Prompt als fertiger Claude Skill.
Für umfangreiche Entscheidungen empfiehlt sich ein leistungsfähiges Claude-Modell mit einer hohen Denkaufwandsstufe, sofern dein Tarif diese Einstellung unterstützt.
3 Tipps für bessere Ergebnisse
- Verwende konkrete Zahlen. „Ich habe 2.000 Euro Budget und sechs Wochen Zeit“ ist hilfreicher als „Mein Budget ist begrenzt“.
- Sage ehrlich, was du bevorzugst. So kann der KI-Beirat prüfen, ob deine bisherige Meinung tatsächlich durch gute Argumente gestützt wird.
- Nutze ihn für wichtige Entscheidungen. Beispielsweise bei neuen Angeboten, Preisänderungen, deiner Positionierung oder größeren Investitionen.
Das Original: der LLM Council mit mehreren KI-Modellen
Andrej Karpathys ursprünglicher LLM Council ist als Open-Source-Projekt verfügbar. Dabei beantworten unterschiedliche KI-Modelle dieselbe Frage und bewerten anschließend gegenseitig ihre Ergebnisse.
Dafür benötigst du allerdings eine technische Einrichtung und einen OpenRouter-API-Zugang mit Guthaben.
Zum ursprünglichen LLM Council auf GitHub →
Fazit
Der KI-Beirat ist eine einfache Möglichkeit, deine Ideen aus mehreren Perspektiven zu betrachten.
Statt deine Meinung nur bestätigen zu lassen, bekommst du Gegenargumente, erkennst ungeprüfte Annahmen und erhältst konkrete nächste Schritte.
Besonders bei wichtigen Geschäftsentscheidungen kann dir das helfen, fundierter zu entscheiden, ohne dass du dafür fünf verschiedene Berater befragen musst.
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